Start Lokales Düsseldorf OLG Düsseldorf – Hammerbande – Opfer im Kreuzverhör

OLG Düsseldorf – Hammerbande – Opfer im Kreuzverhör

Im Prozess gegen die sechs mutmaßlichen Mitglieder der Hammerbande wird am 18.06.2026 ein Zeuge, der Opfer eines Angriffs in Budapest geworden ist, gehört.

Der Stand des Verfahrens

Es ist inzwischen der 33. Verhandlungstag von insgesamt 72 angesetzten Verhandlungstagen. Einige Verhandlungstage wurden aufgehoben oder frühzeitig beendet, meist wohl weil Zeugen nicht erscheinen wollten bzw. nicht erschienen sind.

Auch ein Schiebetermin musste schon anberaumt werden. [Ein Schiebetermin kann notwendig werden, wenn nach § 229 StPO (Höchstdauer einer Unterbrechung) eine zu lange Unterbrechung der Verhandlung droht.]. An dem Schiebetermin haben die Richter in einem fast leeren Saal, 3 Zuschauer inklusive mir selbst, Zeitungsartikel verlesen, so wie es die Verteidigung in ihren Beweisanträgen gefordert hatte.

Der Erkenntnisgewinn hält sich dadurch in Grenzen. Es ist eine wenig öffentlichkeitswirksame „Brot und Butter“ Phase in der Beweisaufnahme. Das zeigt sich deutlich am Ende des heutigen Verhandlungstages, wo ein über 30 Minuten langes Video von einer Haltestelle in Budapest in Augenschein genommen wird.

Der Zeuge

Der Zeuge, der 49-jährige Verkäufer aus Budapest, möchte, dass seine persönlichen Daten vertraulich behandelt werden. [Das könnte in einer öffentlichen Hauptverhandlung schwierig werden.].

Der Ablauf

Der Zeuge berichtet auf dem Weg zur Arbeit von 7-8 Personen angegriffen worden zu sein. Zuvor sei er von einer jungen Dame angesprochen worden. Die junge Dame habe auf ungarisch, ohne Akzent, gefragt, ob er an dem „Ausbruch“ teilnehmen werde. [Es geht wohl um den 60 Kilometer langen Marsch, der jährlich am Tag der Ehre in Budapest stattfindet.] Er habe der Dame gesagt, dass er noch nie an der Tour teilgenommen habe. Später ergänzt er auf Nachfrage eines Verteidigers, dass er gegenüber der Dame noch erwähnt habe, dass er Bekannte habe, die an dem Marsch teilnehmen würden. Er habe schon auf dem Boden gelegen, als man auf ihn eingetreten und eine große Flasche Pfefferspray auf ihn gesprüht habe. Er habe deshalb Entzündungen am Auge gehabt.

Die Dame mit blonden Haaren und den blauen Augen

Die Dame beschreibt der Zeuge mit blonden Haaren, blauen Augen und einer Mütze. Die Größe könne er nicht genau angeben, da er die Schuhe nicht gesehen habe. Er sei mit ihr vorher in einem Bus gefahren. Sie habe im Bus etwa 5m entfernt gesessen. Ob die Dame bei dem Angriff dabei war, könne er nicht sagen. Die Frage eines Verteidigers, ob er die Frau wiedererkennen würde, wenn er sie wiedersehen würde, beantwortet der Zeuge mit er habe die Frau nur 1½ Minuten gesehen.

Warum ist der Zeuge Opfer geworden?

Auf die direkte Frage des Richters, warum er Opfer geworden sei, entgegnet der Zeuge er habe keine Ahnung. Man solle die Angeklagten fragen. Der Zeuge gibt an, dass er militärähnliche Kleidung getragen habe. Wahrscheinlich sei man deshalb auf ihn zugekommen. Er trage die Kleidung jeden Tag, weil die strapazierfähig sei und nicht kaputt gehe. Außerdem sähe sie gut aus, erklärt er später einem Verteidiger.

Die Verletzungen

Der Zeuge gibt an diverse Verletzungen am Kopf und 3 Rippenquetschungen gehabt zu haben. Er sei insbesondere wegen der Rippen 1 ½ Monate arbeitsunfähig gewesen. Auch heute noch würden die Rippen weh tun. Er könne das aber aushalten.

Haben Sie gedacht die wollen mich umbringen?

„Ich hatte Angst, dass ich totgeschlagen werde!“, „Ich dachte, dass es ein Zufall ist, dass ich nicht tot bin.“. Er habe auf dem Boden gelegen und 7-8 Personen hätten auf ihn eingetreten.

Die Befragung durch die Verteidigung

Die Befragung dieses Zeugen gerät, wie auch schon vorherige Vernehmungen von Opfern, zu einer Art Kreuzverhör.

Die Schwere der Verletzungen

Die Verteidigung möchte wohl Zweifel an der Schwere der Verletzungen des Zeugen säen. Hierzu hat die Verteidigung im Facebook-Profil des Zeugen einen Post gefunden, der zeigt, dass der Zeuge in der fraglichen Zeit nicht zu Hause war. Das erscheint der Verteidigung wohl suspekt, da der Zeuge angegeben hat starke Schmerzen gehabt zu haben. „Jeder Atemzug machte mir Schmerzen“. Er habe Spaziergänge machen müssen, erklärt der Zeuge.

Die Kleidung

Die Verteidigung möchte bei der Militärkleidung des Zeugen wohl darauf hinaus, dass die schon vor 1945 getragen wurde. Das verneint der Zeuge mit „Nein. Mit Sicherheit nicht!“. Das sei Kleidung der ungarischen Armee aus dem Jahr 2023.

Der Vertrag von Trianon

Ein weiterer Post im Facebook-Profil des Zeugen zeige ein Bild mit einer Trauerschleife und stehe in Zusammenhang mit dem Vertrag von Trianon von 1920. Ob der Friedensvertrag eine Tragödie oder ein Verlust sei, möchte die Verteidigung vom Zeugen wissen. Der Zeuge erklärt, dass Ungarn ja 2/3 des Landes weggenommen worden sei. Der Zeuge gibt an bei dem Bild die Trauerschleife hinzugefügt zu haben und bestätigt dem Verteidiger das Bild sei eine Auftragsarbeit gewesen.

[Laut Wikipedia wurde der Vertrag von Trianon am 4. Juni 1920 im Grand Trianon in Versailles von der ungarischen Delegation unter Protest unterzeichnet. Der Vertrag von Trianon führte dazu, dass Ungarn etwa zwei Drittel seines früheren Staatsgebiets verlor und Millionen ethnischer Ungarn außerhalb der neuen Grenzen lebten. Für viele Ungarn wurde Trianon deshalb zu einem nationalen Trauma und einem Symbol des Verlusts. Seit 2010 ist der 4. Juni in Ungarn offiziell ein Gedenktag. Politisch und historisch ist das Thema bis heute sehr sensibel. Viele Ungarn betrachten Trianon als nationale Tragödie. Eine schwarze Trauerschleife oder ähnliche Trauersymbole werden in diesem Zusammenhang manchmal verwendet, um an den Verlust des historischen Ungarns zu erinnern.]

Verehren sie Herrn Wass?

Ein weiteres Bild auf dem Facebook-Profil des Zeugen mit dem Kommentar „Mein neuestes Portrait“ soll Albert Wass zeigen. Der Zeuge gibt an mehrere Romane von Albert Wass gelesen zu haben. Der Zeuge bestätigt dem Verteidiger auch „Schwert und Sense“ gelesen zu haben, Dass Albert Wass 1946 wegen Kriegsverbrechen zum Tod verurteilt worden sei, habe er nicht gewusst. Die Frage, ob er Antisemit sei, beantwortet der Zeuge mit „Ich bin als Zeuge hier und nicht als Angeklagter!“

[ Laut Wikipedia war Albert Wass ein ungarischer Schriftsteller. Er schrieb vor allem über Heimatverlust, die ungarische Minderheit in Siebenbürgen und die Folgen des Vertrags von Trianon. Für viele Ungarn ist er ein bedeutender Autor, der das Trauma von Trianon und den Verlust historischer ungarischer Gebiete literarisch verarbeitet hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1946 von einem rumänischen Volksgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im September 1940 ungarische Offiziere zu Tötungen von 15 Zivilisten angestiftet zu haben. Die USA lehnten spätere Auslieferungsanträge Rumäniens wegen mangelnder Beweislage ab.

„Schwert und Sense ist eines der bekanntesten Werke von Albert Wass. Eine zentrale Botschaft des Romans ist: Ein Land kann mit dem Schwert gewonnen werden, aber nur durch die Arbeit seiner Menschen erhalten bleiben.]

Finanzielle Unterstützung von Dritten?

Die Verteidigung möchte noch vom Zeugen wissen, ob er finanzielle Unterstützung, wieviel und von wem, erhalten habe. Hier mauert der Zeuge etwas und gibt zunächst an, dass es mehrere unbekannte Personen gewesen seien, bis er dann von einem Filmproduzenten für „historische Filme“ spricht, der ihm aber vorher nicht bekannt gewesen sei.

Divizio88?

Die Frage, ob er die [rechtsextreme ungarische] Band „Divizio88“ kenne, verneint der Zeuge.

Der Beweisantrag

Die Verteidigung möchte das gerichtsmedizinische Gutachten aus Ungarn zu den Verletzungen des Zeugen durch Verlesen in die Verhandlung einführen, zum Beweis der Tatsache, dass die Verletzungen des Zeugen nicht lebensbedrohlich waren. Es sei nur mit begrenzter Kraft zugeschlagen worden. Die Heilungsdauer solle nur 6-7 Tage betragen. Es sei somit keine Frage des Zufalls gewesen, dass der Zeuge überlebt habe. Damit sei der bedingte Tötungsvorsatz in Frage gestellt. Die Bundesanwaltschaft hat keine Bedenken gegen die Verlesung des rechtsmedizinischen Gutachtens.

[Da die Verteidigung zuvor versucht hatte ein Beweisverwertungsverbot für Beweise aus Ungarn zu erwirken, erscheint dieser Beweisantrag jetzt vielleicht nicht ganz konsequent.]

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Quelle

Der Autor im Gerichtssaal.

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